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Aktuelle Texte

Türkei: Boxen gegen Parkinson (ARD Fernsehen)

Da freut sich die Hand

Hilflose Nähe


Ein winziger Schritt für die Menschheit.

Vom Erkennen zum Verkaufen

Auf mich wirkt der vermeintliche Trost, man könne alt werden mit Parkinson wie eine Drohung. Wie gesagt: das muss (s)ich ändern. Ist also Optimismus angesagt? Nein. Offen zu sein für künftige Ereignisse, das ist wichtig. Optimismus wirkt fast peinlich.

 

Parkinson hat man nicht. Parkinson hat einen. Die Krankheit mischt sich ein, will bei Emotionen und Vernunftentscheidungen nicht nur mitbestimmen, sondern das letzte Wort haben. Wenn es schwierig wird, bliebe mir immer noch zu sagen: Das bin nicht ich, es ist Parkinson, der Krakeeler in meinem Oberstübchen. Das beruhigte meine Umgebung.

 

Als Kranker weiß ich: Mich gibt es nicht mehr ohne ihn. Deshalb suchen viele wie ich nach Techniken, die ihn wenigstens zwingen, das Maul zu halten.

Manche sagen, Parkinson sei ein frontaler Angriff auf die Persönlichkeit. So empfinde ich es auch. Ich könnte nicht sagen, durch die Krankheit sei irgendetwas besser geworden. Manche Erkrankte können das. Von ihnen zu lernen, die Krankheit anzunehmen und zu integrieren, gleichzeitig Abstand zu erarbeiten und versuchen, zu sich zu finden: das beschreibt die Aufgabe für dieses Projekt.

 

Mit dieser Krankheit verlasse ich die gefühlte Gemeinschaft der Normalen. Mich stört mein nachlassender Einfluss auf meine Außenwirkung. Ich bin zu 60% schwerbehindert. Verstehen Sie jetzt, was ich meine? Der Schauspieler Ottfried Fischer hat die Situation der Kranken, die arbeiten können, so auf den Punkt gebracht: Die Leute mögen es, wenn der Kranke seinem Schicksal entgegentritt. Aber die Jobs bleiben aus.

 

Sozialpolitik gehört also auf die Tagesordnung. Denn unsere Zahl wird steigen. Wir sind mit unseren Symptomen, den spontanen Zuckungen, schmerzenden Muskelspannungen, Wirkungen und Nebenwirkungen, so etwas wie Indikatoren für die krank machenden Strukturen unserer Gesellschaftsordnung.

 

Indem ich die Krankheit als Erkrankter zum Thema mache, helfe ich - wenn es gelingt - den Leidensgenossinen und den Gesunden. Ich versuche, ein realistisches Bild zu zeichnen. Denn Realismus brauchen wir vor allem anderen. Und wer könnte diese Realität besser beschreiben als ein Profi für PR-Methoden, der seine Krankheit reflektiert?


Knapp vorbei ist auch daneben

Geübte Großstädter erkennen Drogenabhängige am Gang. Leicht nach vorn gebeugt hetzen dürre Gestalten mit kurzen Schritten dahin, wo es Stoff gibt. "Hast du den Dealer gesehen?", zischte neulich ein Mann hinter mir, als ich zum Altonaer Bahnhof lief. Als geübter  Großstädter meinte er, mich am Gang erkannt zu haben.


Ein Thema, an dem ich arbeite

Parkinson und Pandemie. Wie wirkt sich die schon ein Jahr währende Anti-Pandemie-Politik auf die Versorgung chronisch Kranker aus? Selbsthilfegruppen fallen aus. Therapeuten dürfen nicht arbeiten...